Samstag, 20. August 2011

Spreekartografie

concept for art in public

Spreekartografie
Schichtungen Schnitte Horizonte

Deutscher Bundestag
Erweiterung Marie-Elisabeth-Lüders-Haus


Landschaftsgeschichte als Kulturgeschichte

Für den Südhof des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus soll eine Skulptur entstehen, die die historische Bedeutung des Spreebogens mit der der Landschaft verbindet. Wenn das Band des Bundes als ein symbolischer Schnitt durch die Landschaft zu verstehen ist, der die ehemals getrennten Stadthälften miteinander verbindet, so ist die Spreekartografie ein dreidimensionaler Schnitt durch diese Landschaft, der eine Brücke vom historischen Ort zur Landschaft schlägt.

Weil sich dieser Schnitt in der Erde befindet, zeigt er, was dem Auge üblicherweise verborgen bleibt: Er stellt die einzelnen Schichten der Ablagerungen von Pflanzen Bäumen und Sanden dar, die zu Auen, Mooren und Sümpfen wurden und zeigt die unterschiedlichen Verläufe der Spree vor dessen Regulierung. Durch die Bewegung des Auges über die Skulptur wird auf diese Weise ein geografisches Gedächtnis wachgerufen, das zu einer Spreekartografie wird.

Entwurf für den Südhof des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses


Verlorene Flüsse eingeprägt in die Landschaft
Berlin ist in einer Engstelle des Warschau-Berliner-Urstromtales, der Entwässerungsbahn aus der letzten Eiszeit, auf zwei Sanddünen gegründet, die die einzigen Erhebungen in diesem Tal bilden. Bis ins 19. Jahrhundert hinein befand sich hier eine Auenlandschaft, durch die sich die Spree mit ihrem ständig wandelnden Flussbett hindurchzog. Diese besondere Situation, in die Berlin hinein gegründet ist, als eine Stadt, die in solch einem Zentrum mobilen Untergrundes errichtet ist, erschien mir außergewöhnlich und wurde Anlass zu dieser Skulptur.

Die Spreekartografie wird als dreidimensionaler Schnitt im Maßstab 1: 50 im Innenhof des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses aufgerichtet. Die Säulen auf denen das Objekt ruht, haben den temporären Charakter einer Baurüstung, die das Landschaftsstück halten. Die Schichten selbst sind aus Hölzern gebaut, wie sie im Torf um den Spreebogen vorkommen. Im Torf finden sich Gehölze wie Erle, Sumpfeiche, Moorbirke, Spirke, Eberesche, Sumpfahorn, Silberweide und Robinie.
Die Form der Skulptur entwickelte sich aus verschiedenen geologischen Karten. Quellen dafür waren: die Karte des Königlich Preussischen Generalstabes 1987 im Maßstab 1:25000, die Sineck’schen Situationsplan 1873 im Maßstab 1:10000, der Historischen Atlas von Berlin 1835,die Geologische Karte der Stadt Berlin 1876 im Maßstab 1:10000.

Wenn man diese historischen Karten betrachtet, ist augenfällig, wie die Landschaft sich von der heutigen unterscheidet. Alte Flussläufe lassen sich hier noch erkennen. Das Gebiet des heutigen Spreebogens ist durch ein weitflächiges Sumpfgebiet entlang der Spree gekennzeichnet. Namen wie Moderloch oder Stadtheide findet man hier. Und der Weidendamm zeugt heute noch von der Landgewinnung und Eindämmung der Spree im 17. Jahrhunderts. Ansonsten merkt man aber vom ungehinderten Mäandrieren durch die ehemalige Auenlandschaft und der darin fließenden Spree heute wenig.

supfige Spreelandschaft



Schnitt vom der Mittelstr zum Weisendamm

Schitt durch Berlin von West nach Ost



Landschaft als Kartografie als Skulptur
Der Schnitt selbst in seiner Dimension wird zum Landschaftsobjekt oder besser Landschaftsfossil, über das sich der Passant mit dem Auge bewegt. In seiner Ausschnitthaftigkeit bleibt es jedoch Skulptur und bildet damit ein Gegenüber zu Schnitten und Karten moderner mathematischer Vermessung. Anders als kartografische Schnitte vereinfacht sie nicht die Idee einer Karte als hilfreiche Abkürzung einer komplexen Wirklichkeit. Es spiegelt sich zwar in ihr die natürliche Beschaffenheit des Geländes, jedoch verliert sich der Betrachtende in ihr, indem er sich durch sie als Objekt und Landschaft bewegt.

In dieser Weise changiert die Arbeit zwischen Landschaft, Landschaftsschnitt und Skulptur.

Ausstellung im Kunst-Raum des Bundestag vom 5. Juli, bis Sonntag, 11. September 2011

http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2011/34889868_drei_wettbewerbe/index.jsp

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